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02.08.10

Der bleiche Bruder des Goldes zieht nach


(nth) Silber hat gleich zwei Funktionen. Zum einen ist es Wertaufbewahrung und zum anderen hat es Industrieverwendung. Der Silberpreis profitiert von der momentanen Inflationsangst und von der Nachfrage der Industrie. Bei ihr ist das Metall weitaus stärker gefragt als Gold.

Momentan besteht die 18 Gramm schwere 10-Euro-Gedenkmünze noch zu mehr als 90 Prozent aus feinstem Silber. Das könnte sich aber eventuell bald ändern, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Silber ist mittlerweile so teuer geworden, dass der Metallwert der Münze über den Nennwert steigen könnte.

Von Gold redet immer Allewelt und es stellt Silber meistens in den Schatten, aber auch das günstigere der beiden Edelmetalle hat eine fulminante Rally hinter sich: Das Plus beträgt auf Jahressicht rund 43 Prozent und von Experten wird ein weiterer Anstieg erwartet. "Ende 2010 rechne ich mit einem Silberpreis von 20 Dollar pro Unze - und im kommenden Jahr erwarte ich einen Durchschnittswert von 21 Dollar", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Das wäre ein Anstieg um fast 20 Prozent zum aktuellen Kurs. Wer den Kauf von Silbermünzen oder -barren umgehen will, kann bequem per Zertifikat auf steigende Notierungen wetten.

Silber hat eine Doppelfunktion

Silber ist zum einen ein traditionelles Wertaufbewahrungsmittel - vorrangig in Zeiten, in denen ein Inflationsanstieg vermutet wird. Laut Silver Institute hat sich die Nachfrage zu Investitionszwecken schon 2009 gegenüber dem Vorjahr auf 215 Millionen Unzen fast verdoppelt. "Der Silberpreis wird auch künftig in erster Linie durch die ansteigende Investorennachfrage beflügelt werden", sagt Weinberg.

Silber ist andererseits aber auch ein begehrtes Industriemetall. "Silber hat die beste Licht- und Stromleitfähigkeit unter allen Metallen", so Weinberg. Wolfgang Wrzesniok-Rossbach, Rohstoffexperte des Edelmetallhändlers Heraeus, erwartet, dass die industrielle Nachfrage in den kommenden zehn Jahren um bis zu 40 Prozent zulegt. Neben den traditionellen Anwendungsbereichen in der Elektroindustrie werde das Metall künftig verstärkt in der Medizin-, Solar- und Automobilbranche benötigt, ergänzt Weinberg.

Im historischen Vergleich zeigt sich ebenfalls, dass der Preis noch Luft nach oben hat. Momentan ist Gold rund 65-mal so teuer wie Silber. Vor dem Einsetzen der Finanzkrise lag dieser Wert unter 50. Außerdem wird die Lücke zwischen Nachfrage und Minenproduktion wohlmöglich bald nicht mehr durch Notenbankverkäufe und Recycling geschlossen werden können. Einerseits ist die Wiedergewinnung aufwendig und teuer. "Auf der anderen Seite wird Chinas Zentralbank, die als weltweit einzige Notenbank nennenswerte Bestände hält, künftig kein Silber mehr verkaufen", ist Weinberg überzeugt.

Anleger können bei Zertifikaten genau festlegen, welches Risiko sie eingehen wollen. So spiegelt etwa ein Indexzertifikat von Goldman Sachs die Wertentwicklung des Edelmetalls eins zu eins wider - mit überschaubaren Kosten. Eine jährliche Gebühr verlangt die US-Bank nicht, die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs beträgt lediglich 0,15 Prozent. Doch Vorsicht: Silber wird in Dollar gehandelt. Verliert der Greenback gegenüber dem Euro an Wert, mündet ein möglicher Gewinn schnell in einen Verlust. Sogenannte Quanto-Zertifikate schließen dieses Risiko aus. Die Royal Bank of Scotland lässt sich diese Schutzfunktion derzeit mit jährlich 4,4 Prozent honorieren. Das Emittentenrisiko bleibt auch bei diesem Papier bestehen. Im Fall einer Insolvenz des Anbieters droht Anlegern der Totalverlust.

Quelle: Financial Times Deutschland vom 20.07.2010


 

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