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06.03.10

Expresszertifikate


(nth) Seit fast einem Jahr verharren die Zinsen in Deutschland auf niedrigem Niveau. Nach Informationen der FMH Finanzberatung beträgt die durchschnittliche Verzinsung auf Tagesgeldkonten gerade mal 1,2 Prozent. Geldanlagen für ein Jahr bringen 1,3 Prozent und eine fünfjährige Zinsbindung 3 Prozent im Jahr. Wenn wundert’s also, dass Anleger fieberhaft nach einer rentableren Geldanlage suchen.

Anlegern, die keine Aktienkursrisiken eingehen wollen, bietet sich eine Mischform zur Renditesteigerung an. Hier ist zwar ein Aktienkursrisiko enthalten, aber in abgemildeter Form. Dafür, dass der Anleger das höhere Risiko in Kauf nimmt, erhält er die Chance auf eine höhere Rendite als bei Tages- oder Festgeldkonten. Expresszertifikate sind eine solche Mischform. Sie sind nach den Garantiezertifikaten die zweitwichtigste Zertifikategattung, mit einem Anlagevolumen von derzeit 10 Milliarden Euro.

Gerade in der letzten Woche hat die Deutsche Bank ein typisches Expresszertifikat auf den wichtigsten Aktienindex im Euro-Raum, den Euro Stoxx 50, in Umlauf gebracht. Die Laufzeit beträgt maximal fünf Jahren. Alle sechs Monate überprüft der Emittent des Zertifikats, ob der Euro Stoxx 50 höher steht als zur Ausgabe des Zertifikats bei 2731 Punkten. Trifft das zu,  endet die Laufzeit des Zertifikats. Der Anleger erhält 100 Euro zuzüglich 5,50 Euro für jedes halbe Jahr Laufzeit ausgezahlt. Bereits im August - zum ersten Überprüfungstermin - wäre somit eine Rückzahlung von 105,50 Euro möglich.

Momentan kostet ein Zertifikat rund 101 Euro. Die Rendite läge damit in sechs Monaten bei knapp 4,5 Prozent und aufs Jahr gerechnet fast 9 Prozent. Läuft das Zertifikat bis zum letzten Überprüfungstermin Ende Februar 2015, bekäme der Anleger dann 155 Euro je Zertifikat ausgezahlt, falls der Euro Stoxx 50 dann höher steht als jetzt.

Liegt der Index an diesem letzten Termin wieder niedriger als zu Laufzeitbeginn, wird überprüft, ob er mindestens 60 Prozent seines Startniveaus erreicht hat. Der Euro Stoxx 50 müsste also mindestens auf 1638 Punkten stehen, aktuell sind es 2740 Punkte. In dem Fall, bekommt der Anleger 100 Euro je Zertifikat ausgezahlt. Liegt der Index aber sogar noch darunter, bleibt der Anleger auf den vollen Indexverlusten sitzen. Seine Auszahlung wird dann anhand der tatsächlichen Wertentwicklung des Euro Stoxx 50 gemessen während der Laufzeit des Zertifikats. Der Verlust beträgt mehr als 40 Prozent.

Es gibt aber drei ganz klare Nachteile beim Expresszertifikat gegenüber der Aktiendirektanlage: Es gibt keine Dividendenzahlungen, die Rendite ist nach oben hin begrenzt und es gibt das typische Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten ist das Kapital futsch. Vorteile gegenüber der Direktanlage bietet das Zertifikat bei moderaten Kursverlusten am Aktienmarkt, denn bis zu einem Indexminus von 40 Prozent ist der Anleger vor Verlusten geschützt. Bei nur leicht steigenden Aktienkursen steht sich der Anleger auch mit einem Expresszertifikat besser, denn wenn der Aktienindex nur wenigstens sein Ausgangsniveau hält, bekommt der Anleger bereits eine Rendite von rund 9 Prozent im Jahr.

Bei dieser Art des Zertifikats kommt der Anleger aber nur zu einer positiven Rendite, wenn der Euro Stoxx 50 an einem dieser Beobachtungstermine mindestens wieder zu seinem Ausgangsniveau zurückkehrt. Für umsichtigere Anleger gibt es auch eine Variante der Expresszertifikate, die beim Absinken des Index dem Anleger dennoch eine positive Rendite bescheren.

Von der Société Générale wurde ein solches, von ihr Memory Expresszertifikat genanntes Produkt, Ende Januar herausgebracht. In der fünfjährigen Laufzeit wird einmal im Jahr überprüft, ob der Euro Stoxx 50 höher steht als zur Auflage des Zertifikats bei 2777 Punkten. Hier endet die Laufzeit des Zertifikats ebenfalls, sobald das Ausgangsniveau an einem der Beobachtungstage überschritten wird. Der Anleger erhält dann 100 Euro je Zertifikat zuzüglich 7 Euro für jedes vergangene Laufzeitjahr. Aktuell kostet ein Zertifikat knapp 100 Euro.

Die gezahlten Kupons sind zwar nicht so hoch wie bei der Deutschen Bank, dafür kommt es zu einer Auszahlung aller Kupons am Ende der Laufzeit, wenn der Euro Stoxx 50 dann mindestens auf 60 Prozent seines Ausgangsniveaus notiert, also wenigstens auf 1666 Punkten. Die Auszahlung Ende Januar 2015 würde dann bei 135 Euro liegen.

Für alle Schlussstände des Euro Stoxx 50 zwischen 60 und 99 Prozent seines Ausgangsniveaus ist dieses Zertifikat somit also attraktiver als das der Deutschen Bank, welches für diese Fälle nur 100 Euro auszahlt. Liegt der Euro Stoxx 50 zum Ende der Laufzeit im Jahr 2015 jedoch unter 60 Prozent seines derzeitigen Niveaus, trägt der Anleger auch bei diesem Expresszertifikat die vollen Verluste.

Quelle: FAZ.Net vom 02.03.2010


 

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