Funktionsweise des Euro-Rettungsschirmes mit Hebelwirkung
(dso) Bei der EU-Schuldenkrise wird nun über den Euro-Rettungsschirmes mit Hebelwirkung nachgedacht. Diese Hebelwirkung soll dem Rettungsfonds mehr Schlagkraft verleihen. Eine Versicherungslösung bahnt sich an: Bei dieser Versicherungslösung steht der EFSF für Teile von Staatsanleihen ein. Ein solches Vorgehen sichert privaten Investoren über den staatlichen Euro-Rettungsfonds ab.
Durch den Hebel auf dem Kapitalmarkt wird das eingesetzte Kapital verfünffacht. Ohne weitere Verhandlungen in den nationalen Parlamenten wäre diese weitere Versicherungslösung möglich. Dies wäre von Vorteil, denn der jüngsten Erweiterung des Rettungsschirmes wurde nur ganz knapp zugestimmt.
Eine weitere Erhöhung der Hilfen für die Problemländer ist derzeit höchst unwahrscheinlich. Das Volumen über 440 Mrd. Euro wird laut Expertenmeinung nicht ausreichen, falls ein weiteres Land Probleme bekommt. Außerdem soll der EFSF in Zukunft noch Staatsanleihen von Krisenstaaten aufkaufen. Hinzu sollte das Geld flexibler zur Verfügung stehen, damit es kurzfristig investiert werden kann.
En Detail sieht die Lösung über den Kapitalmarkthebel wie folgt aus: Einem Staat wird das Geld nicht direkt als Kredit gegeben, sondern der EFSF versichert rund 20 bis 30 Prozent der Staatsanleihen. Somit verliert der Fonds bei einem Ausfall nicht die gesamte Summe. Insgesamt ist der Fonds Europas somit fünfmal so hoch.
Ein positiver Nebeneffekt ist die Tatsache, dass eine solche Anleihe wieder für die Investoren attraktiver wird. Grund ist die höhere Sicherheit anstatt nicht versicherter Bonds. Es müssten weniger Zinsen gezahlt werden, weil der Fonds privates Kapital mobilisieren würde. Insgesamt würden die Grenzen der einzelnen Staaten gleich bleiben. Somit würde das Risiko der Geberländer weiterhin begrenzt bleiben. Zumindest ist das die Hoffnung.
Zerschlagen könnte sich die Hoffnung trotzdem. Den Investoren würde das Risiko abgenommen, aber unter dem Hebel könnte das Verlustrisiko für den EFSF steigen. Gerade Frankreich sei im Blickpunkt, da das Land der zweitgrößte Geldgeber ist und bereits am Wanken sei. Hintergrund sind die angeschlagenen Banken.
Frankreich könnte sein AAA-Rating verlieren, wenn zusätzlich zu den Problemen die steigende Wahrscheinlichkeit einer Haftung hinzukommt. Folge wäre eine Minderung der Qualität des gesamten Rettungsfonds. Die Stabilität der Euro-Zone wäre wiederum in Gefahr.
Hintergrund für eine negative Stimmung bezüglich des Hebels sei die Möglichkeit, noch mehr Misstrauen zu schüren. Vor allem wird Unsicherheit dadurch erreicht, dass niemand so genau weiß, wie hoch der Fonds gehebelt werden müsste. Von bis zu 4 Billionen Euro ist die Rede. Es ähnelt insbesondere einem Krisen-Instrument, das Deutschland seit ewigen Zeiten ablehnt: den Euro-Bonds. Die Versicherungslösung sorgt dafür, dass die Staaten gemeinsam haften.
Die Zeit wird zeigen, ob und wie es gelingt, den Euro-Bereich vor weiteren negativen Auswirkungen der Schuldenkrise zu bewahren.
Quelle: zeit.de vom 20.10.2011
