Griechenland benötigt noch mehr Geld, als erwartet
(dso) Griechenland wird zum Fass ohne Boden, wie eine neue Schuldenanalyse aufdeckt. Somit benötigt das Land größere und längere Unterstützungen aus der EU.
Die Lage im Schuldenstaat verschlimmert sich nun immer weiter. Es wird enorm viel mehr Geld benötigt, als zunächst angenommen. Es würde ein deutlich größerer Schuldenverzicht nötig sein, doch nicht nur dies dürfte ausreichen. Es dürfte dazu viel mehr notwendig sein. Solle das Land nicht in die Insolvenz rutschen, müssten auch die Steuerzahler der Euro-Geberländer zu deutlich längeren und mehr Investitionen bereit sein.
Die Schärfe der Situation wird insbesondere durch die bis zuletzt streng geheime Situationsanalyse der Beobachtermission aus IWF, EZB und EU-Kommission klar gemacht. Durch die Sparmaßnahmen schreitet die Rezession in Griechenland immer weiter voran. Die Wirtschaftsleistung könne zwar im Jahr 2013 und 2014 wieder wachsen, wie die Zahlen aussagen. Doch dieses geringe Wachstum von geschätzten 1,25 Prozent ist nichts gegen der Einbruch von 5,5 in diesem und 3 Prozent im nächsten Jahr.
Durch die schlechte Konjunktur werden einerseits die Steuereinnahmen verschlechtert und andererseits die Sozialausgaben angehoben. Auch die positiven Prognosen ab 2015 gelten nur unter der Prämisse, dass die Weltwirtschaft keinen Schaden nehme.
Nach Welt Online bedürften diese Zahlen einer Neubewertung der grundsätzlichen Annahme von den Hilfsmaßnahmen.
Die Schuldenstand-Quote Griechenlands dürfte 2013 bei 186 Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung liegen. Im Jahr 2020 wäre lediglich eine Senkung auf 152 und bis 2030 (in 19 Jahren!) nur auf lediglich 130 Prozent möglich. Das Hilfspaket macht dabei durchaus schon einen großen Anteil aus. Problem sei dabei jedoch die Tatsache, dass die Maßnahmen durch die wirtschaftliche Entwicklung aufgefressen werden.
Somit müsse deutlich mehr Geld nach Griechenland fließen als zunächst angenommen. Wie viel dies nun letztlich sein dürfte, hängt von dem Verzicht der privaten Gläubiger ab.
Vor dem jetzigen Hintergrund bedeute dies eine Aufstockung auf rund 252 Milliarden Euro, was mehr als das doppelte der bewilligten 109 Mrd. ausmacht. Nach dem Bericht des IWFs, der EZB und der EU-Kommission könnten bei einer Verschlechterung der Lage sogar bis zu 440 Mrd. notwendig werden.
Da ein Großteil des Geldes aus Deutschland kommen müsste, wird mit aller Macht auf eine Verringerung der Forderungen privater Gläubiger hingearbeitet. Auch wird eine Pleite Griechenlands bereits von Bankern und Notenbankern favorisiert, um mögliche Trittbrettfahrer abzuschrecken.
Wir dürfen gespannt sein, wie sich die „Schuldenbombe“ Griechenland weiterentwickelt und wohin der Weg führt. Klar dürfte sein, dass weitere Einschnitte gemacht werden müssten.
Quelle: Welt.de vom 23.10.2011
