Langweilige Rentenfonds
(nth) Bei bis zu 7,5 Prozent Rendite pro Jahr in 36 Monaten darf man schon mal neidisch werden. Und gerade die so unaufregenden festverzinslichen Wertpapiere aus Europa rufen diesen Neid hervor und haben ihren Investoren diesen beeindruckend hohen Gewinn beschert.
Bei einer Anlage Anfang 2007 von 100 Euro in einen der zehn europäischen Rentenfonds aus der aktuellen Ratingtabelle, hat man heute einen Anteil im Depot mit einem Wert zwischen 115 und 124 Euro. Auf einem Tagesgeldkonto sammelten sich im vergleichbaren Zeitraum mal gerade 7 Euro Zinsen an und wer dem deutschen Aktienmarkt vertraut hat, dem wurden sogar rund 25 Euro genommen.
Aber Höchstrenditen schaffte nur die Spitze der Fondsmanager. Die Faustregel, nach der bei fallenden Aktienkursen die Anleihenkurse automatisch steigen, weil das Geld der Investoren ja schließlich irgendwohin fließen muss, wurde in der jüngeren Vergangenheit außer Kraft gesetzt. Die Statistik des aktuellen Morningstar-Ratings beweist diese Tatsache eindrücklich: Im Durchschnitt erzielten Rentenfonds mit dem Investitionsschwerpunkt Europa nämlich nur 2,5 Prozent Plus pro Jahr.
Es gibt extrem schwankende Kursentwicklungen in einzelnen Anleihesegmenten. Nachdem Bankanleihen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor eineinhalb Jahren zeitweilig extrem unter Druck standen, gibt es hier mittlerweile eine Entspannung. Unternehmensanleihen wurden damals ebenfalls für kurze Zeit fast unverkäuflich, oder waren nur mit extrem hohen Renditeversprechen an den Investor zu bringen. Auch hier hat sich die Lage beruhigt.
Eine extreme Sorge haben die Anleihemanager derzeit aber immer noch, nämlich die der Zahlungsfähigkeit der Staaten am Rande des Euro-Raums. Wegen der Spekulation um die Staatspleite Griechenlands sind nicht nur die Kurse dortiger Schuldscheine eingebrochen, sondern auch jene aus Spanien und Portugal. Das fördert zwar die Nachfrage nach Anleihen aus Euro-Kernländern wie Deutschland, die Unsicherheit aber bleibt. Die schweizerische Fondsboutique Tiberius hat bereits Konsequenzen gezogen: Der Fonds parkt derzeit 55 Prozent des Kapitals am Geldmarkt.
Financial Times Deutschland online vom 14.02.2010
