Nordseewind soll München erleuchten
(nth) Die Stadtwerke München (SWM) engagieren sich im großen Stil am Markt für erneuerbare Energien. Sie investieren jetzt gemeinsam mit dem Energiekonzern Vattenfall in den Offshore-Windpark Dan Tysk. Am 24. Juli 2010 unterzeichneten sie eine Absichtserklärung, um ein Joint Venture für das Projekt zu gründen, das etwa 70 Kilometer westlich der Insel Sylt liegt.
An dem Park, der aus 80 Windturbinen besteht, sind der große europäische Energiekonzern Vattenfall mit 51 Prozent und die Stadtwerke München mit 49 Prozent beteiligt. Die endgültige Investitionsentscheidung wollen die beiden Partner im Herbst treffen. Der Anteil der SWM am Windpark reicht nach Unternehmensangaben aus, um etwa 250.000 Münchener Haushalte mit Strom zu versorgen.
„Wenn der Windpark Dan Tysk realisiert wird, haben wir das erste Ziel unserer Ausbauoffensive erneuerbare Energien erreicht“, so SWM-Chef Kurt Mühlhäuser nach der Vertragsunterzeichnung. München würde früher als geplant weltweit zur ersten Millionenstadt werden, deren gesamter Stromverbrauch mit Ökostrom aus eigenen Anlagen gedeckt werden könnte. Bislang war als Ziel gesteckt, bis 2015 alle 800.000 Münchener Haushalte mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Alles in allem wollen die Stadtwerke bis 2025 rund neun Mrd. Euro in Anlagen für Wind-, Wasser- und Sonnenkraft sowie Biomasse und Erdwärme investieren.
Seit längerer Zeit schon engagiert sich das Unternehmen für den grünen Strom. Es hat sich sowohl am Windpark Gwynt y Môr vor der Küste von Nordwales als auch an Global Tech I, einem der größten Offshore-Projekte in der Nordsee, beteiligt. Solarenergie ist ein weiterer Investitionspunkt auf der Münchener grünen Investitionsliste. Mit Partnern bauen sie gemeinsam ein Solarthermiekraftwerk in Spanien. Hier wird mit Sonnenenergie Wasserdampf erzeugt, der wiederrum eine Turbine zur Stromerzeugung antreibt. Und in Deutschland setzt SWM auf ein Kraftwerk in Rothenburg/Oberlausitz sowie in Lauingen an der Donau.
Die Zahl der Stadtwerke, die in erneuerbare Energien investieren, steigt stetig an. Sie machen den großen etablierten Stromkonzernen Konkurrenz. Kürzlich erst hatte sich das Konsortium Südweststrom, welches 60 Stadtwerke vereint, mit 70 Prozent am ersten kommerziellen Windpark Bard Offshore 1 in der Nordsee beteiligt. Er entsteht ungefähr 100 Kilometer nordwestlich vor der Insel Borkum. Die Bard-Gruppe aus Bremen gab an, dass die Gesamtinvestitionen rund 1,5 Mrd. Euro betragen. Die Anlagen sollen etwa 400.000 Haushalte mit Strom versorgen. Insgesamt sind 78 Windparks in der Nord- und 17 in der Ostsee geplant.
Quelle: Handelsblatt online vom 25.07.2010
